Profitabler Leerstand

Demonstration gegen Immobilienspekulation in Berlin. Bezirke nehmen nur selten die Möglichkeit wahr, ungenutzte Wohnungen zu beschlagnahmen

Die Habersaathstraße ist ein Symbol dafür, dass es klappen kann, wenn der Druck nur hoch genug ist. Im Dezember besetzten wohnungslose Menschen zum zweiten Mal das seit Jahren leerstehende Haus gegenüber der Zentrale des Bundesnachrichtendienstes. Statt erneut mit der Polizei die Menschen auf die Straße zu setzen, wendete der Bezirk ein selten genutztes Mittel an: Er beschlagnahmte die Wohnungen und stellte sie den Besetzern zur Verfügung. Doch wie lange die rund 50 Personen ein Dach über den Kopf haben werden, ist noch fraglich. Der Eigentümer will die intakten Häuser abreißen, um wahrscheinlich wie in der Umgebung Luxuswohnungen zu bauen. Gegen spekulativen Leerstand demonstrierten am Samstag mehr als 150 Personen im Berliner Stadtteil Wedding.

»Europa hat so viele Obdachlose. Und hier stehen so viele Wohnungen leer«, beschwert sich einer der neuen Bewohner der Habersaathstraße auf der Demonstration. »Mit der Wohnung habe ich jetzt wieder ein Leben! Ich trinke keinen Alkohol mehr und suche einen richtigen Job«, erzählt er sichtlich bewegt in einer spontanen Rede auf der Demonstration.

Spekulativer Leerstand ist nicht nur ein Problem bei privaten Akteuren auf dem Immobilienmarkt, beschwert sich eine Rentnerin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, im Gespräch mit jW. Auch städtische Wohnungsbaugenossenschaften würden spekulativen Leerstand betreiben. In ihrem Haus in Pankow stünden seit Jahren drei Wohnungen leer, im Nachbarhaus neun. Doch anstatt die leerstehenden Wohnungen im Vesaliuskiez zu vermieten, baut die GESOBAU AG ein neues Haus auf dem Spielplatz des Blockes. Laut der Antwort auf eine Anfrage der Linksparteiabgeordneten Gabriele Gottwald im Jahr 2020 standen damals in Pankow 345 Wohnungen der Gesobau leer: seit durchschnittlich 33 Monaten. »Die kommunalen Wohnungsbauunternehmen gehören zwar dem Land«, so die Pankowerin, »aber sie sind trotzdem auf das Erwirtschaften von Profiten mit den Mieten ausgerichtet.«

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